Geschichte

1929 existierte bereits eine Paddelsparte innerhalb der Freien Turnerschaft. Ein Bootsschuppen am "Nassen Dreieck" war ihr Domizil.

Nach der Machtübernahme durch der Nationalsozialisten wurde die Kanusparte dem TSV 1860 angegliedert. Die Vorbereitung für und der Ausbruch des 2. Weltkrieges waren Ursache dafür, dass sich kein eigenständiger Kanu-Verein gründen konnte. Die sportliche Tätigkeit wurde immer weiter eingeschränkt, sie kam fast zum Erliegen.

Zum Kriegsende waren fast alle Boote zerstört, der Bootsschuppen wurde aus der Not heraus zu Brennholz gemacht.

1947 fanden fünf Kanuenthusiasten, darunter auch der Sportfreund Manfred Bischoff, mit drei reparaturbedürftigen Booten im Bootshaus des Stralsunder-Ruder- Clubs für die Zukunft ein neues Heim. Bis zur Gründung eines organisierten Vereins war aber noch ein beschwerlicher Weg zurück zu legen.

1949 wurde dann die ca. 15 Mitglieder zählende "Paddelsparte" in der SG "Hansa" gegründet, und damit die Geburtsstunde unseres Kanuvereines, dem jetzigen "Stralsunder Kanu Club" vollzogen.

1950 wurde der schon 25 Mitglieder zählende Kanuverein der SV "Einheit" angeschlossen.

Die Kameradschaft und der große Ehrgeiz dieser damals jungen Sportler leitete eine unaufhaltsame und erfolgreiche Entwicklung unseres Kanuvereines ein. Die ersten Renn-Kanus wurden angeschafft, und der Übungsbetrieb im Kanu-Rennsport begann unter der Leitung des Sportfreundes Alfred Steinfurth.

Die positive Entwicklung Vereins wurde auch im Landessportausschuss in Schwerin registriert und es erging 1950 an die Vereinsführung die Aufforderung, eine Kanu-Rennsport-Abteilung aufzubauen. Eine neue Ära im Stralsunder Kanusport begann. Durch Trainingsfleiß und Ehrgeiz stellten sich bald auch die ersten Erfolge ein. Sowohl bei Landesmeisterschaften wie auch bei großen Einladungsregatten wurden beachtliche Erfolge erzielt.

Schon 1951 konnte bei der DDR-Meisterschaft im K 2 der Männer in der LK II durch die Sportfreunde Gager / Steinfurth ein 2. Platz erreicht werden. Zu den erfolgreichen und aktivsten Rennsportlern dieser Zeit sollten auch die Sportfreunde Joachim Schurig und Erich Möller genannt werden. Diese positive Entwicklung ging in den folgenden Jahren weiter. Sie führte dazu, dass auch die finanzielle Unterstützung zunahm und neue Rennboote gekauft werden konnten. Dadurch war es unserer Sektion möglich, auch die Canadier-Disziplin für einige Jahre erfolgreich zu betreiben.

1952 zählte die Sektion 91 Mitglieder, und in den Bootshallen lagen 51 Wanderboote in mehr oder weniger reparaturbedürftigem Zustand. Aus beruflichen Gründen konnte Sportfreund Manfred Bischoff den Verein nicht mehr weiter leiten. Neuer Vorsitzender wurde Sportfreund Erich Lange. Sein Einsatz und Organisationstalent verhalfen unserem Verein zu einem großen Aufschwung.

1953 war unser Verein auf 135 Mitglieder angewachsen. Mit der Wahl des Sportfreundes Jürgen Hammer zum Vorsitzenden erfolgte 1962 ein weiterer Aufschwung in der Entwicklung unseres Vereines. 28 Jahre, mit Ausnahme seiner Studienzeit, hat Sportfreund Hammer mit Ruhe, Sachlichkeit und Umsicht die Geschicke unserer Sektion geleitet. Er hat es verstanden, die materiellen Verhältnisse weiter zu verbessern und damit die Voraussetzungen geschaffen für einen weiteren Aufschwung des Kanusports am Strelasund.

Der Bootsbestand in den 50er Jahren war so desolat, dass die Sicherheit auf dem Wasser nicht mehr gegeben war. Neue Boote gab es nicht und man hatte auch kein Geld. Also bauten sich die Kanusportler ihre Boote selbst. Ein Meisterwerk gelang den Sportfreunden Erich Möller und Waldemar Brückner mit dem Bau eines Vierers, der sogar auf Regatten große Anerkennung fand.

1953 Übergabe des kleinen Bootshaus als Kanuheim. 2750 Arbeitsstunden mussten in dem Jahr geleistet werden, um das Gebäude als Sportstätte wieder herzurichten. Um- und Neubau der Aufenthalts- u. Umkleideräume. Herrichten der Außenanlagen (Bootslagerungen, Freiflächen) Bau der ersten Außenbeleuchtung. Reparatur des Zaunes.

1955 Bau eines 2. Clubraumes. Sylvester war die Einweihungsfeier (kleines Bootshaus) In vielen gemeinsamen Arbeitseinsätzen mit den Sportlern der Sektion Rudern musste der Bootssteg jährlich repariert und ausgebaut werden, um Winter- und Sturmschäden zu beheben.

1957 leisteten die Sportler 1065 Arbeitsstunden. Bau einer neuen Werkstatt (grüne Baracke) Komplette Erneuerung des Zaunes. Neue Waschgelegenheiten für den Sportbetrieb wurden geschaffen.(in beiden Häusern)

1958 wurde eine neue Platzbeleuchtung installiert. Zwei große Bootshänger konnten mit Unterstützung der Volkswerft gebaut werden, wobei die Aufbauten des ersten Bootshängers in vielen Nachtstunden von den Kanusportlern selbst hergestellt wurden. Zur Verbesserung des Wintertrainings wurden in den 60 er Jahren zwei Paddelbecken gebaut. 10 Jahre später konnte zur besseren Ausbildung der jungen Sportler ein neues transportables Paddelbecken auf der Volkswerft gebaut werden. Geld und Material mussten organisiert, die Zeichnungen dazu erstellt werden.

Als 1960 Sportfreund Jochen Schurig die Leitung des Rennsports übernahm, gab es einen neuen Aufschwung und wesentliche Veränderungen in der Trainingsführung des Rennsports. Seine Helfer und Mitstreiter waren Heinz Zentner und Heinz Wiskow. Mit der Gründung der ersten Sportclubs in der DDR verlagerte sich in unserer Sektion der Schwerpunkt auf den Kinder- und Jugendbereich. Durch systematischen Leistungsaufbau nach Jahresplanungen mit neuen Erkenntnissen in der Trainingsmethodik konnten unsere Rennsportler das Leistungsniveau in der DDR mitbestimmen.

Die Arbeit der Übungsleiter um Sportfreund Schurig sollte ab 1963 mit Erfolgen belohnt werden. Hier sollen nur einige genannt werden:

1964 DDR-Meisterschaft Jugend
1. Platz Schulz-Pöplow K 2 5000 m
2. Platz Ribbe-Neumann K 2 5000 m
2. Platz Schulz-Pöplow K 2 500 m
2. Platz Schulz-Pöplow-Ribbe-Neumann K 4 500 m
2. Platz Jan Zech K 1 500 m u. 5000
3. Platz Litzow-Neumann K 2 500 m

Die Sportfreunde Schulz - Pöplow - Neumann - Szech erreichten in der Juniorenauswahl der DDR beachtliche Platzierungen.
1965 Pionierspartakiade
Goldmedaille K4 Mädchen Risch-Knorr-Wilken-Harms
Sportfreund Neumann erreichte beim Internationalen Junioren – Kriterium in Tata (Ungarn) eine Silbermedaille.
DDR-Meisterschaft
2. Platz im K4
3. Platz im K2.

Sportfreund Scheible wurde bei den Männern im K 1 über 10.000 m und über 500 m DDR-Bester, über 1000 m erreichte er einen 2. Platz.

Bei den Jugendlichen holten die Sportfreunde Litzow – Neumann den Titel im K 2 über 500 m, über 2.500 m belegten sie einen 3. Platz.

Die erfolgreichsten Sportler Jan Szech, Erhard Pöplow, Gerhard Schulzund Rüdiger Neumann wurden zum SC Empor Rostock , Regina Knorr zum SC Neubrandenburg delegiert.

Für diese erfolgreiche Entwicklung im Kanurennsport erhielt unsere Sektion, als erste Sektion in der DDR, das "Goldene Paddel", die höchste Auszeichnung des DKSV.

Dieses hohe Niveau konnte in den Folgejahren nicht gehalten werden. Trotzdem erkämpften unsere Rennkanuten auf Bezirks- und DDR-Ebene vordere Plätze und Medaillen.

Der Höhepunkt in der baulichen Umgestaltung war gemeinsam mit den Sportlern der Sektion Rudern der Neubau einer Bootshalle mit Trainingsräumen. Baubeginn war am 24.2.1968. Fertigstellung war Anfang 1973. Vieles wäre in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht möglich gewesen, hätten wir nicht unseren Sportfreund Waldemar Passoth auf der Werft gehabt. Er hat bei all unseren Vorhaben die Fäden geknüpft, um Hilfe und Unterstützung durch die Volkswerft zu bekommen.

Personelle Veränderungen führen meistens zu einem Einbruch und Niveauabfall. So auch als Sportfreund Schurig aus beruflichen Gründen ausschied. Als 1972 Sportfreund Scheible nach Absolvierung seines Sportlehrerstudiums die Leitung des Kanurennsports übernahm, musste mit dem Aufbau der einzelnen Altersklassen wieder von vorne begonnen werden.

Der Schwerpunkt lag jetzt im Kinderbereich als Nachwuchsbasis für den SC Empor Rostock. Fast drei Jahre wurden benötigt, um wieder das Leistungsniveau der DDR- Spitze im Kanurennsport zu erreichen. Voraussetzung dafür waren ehrgeizige und zuverlässige Übungsleiter, die über Jahre hinweg bis zur Wende die Sportler gemeinsam zum Erfolg geführt haben. Genannt werden sollen: Heinz Wiskow, Jan Szech, Ulrich Wilken, Dietmar Duske, Uwe Lietzow, Peter Mundt. Auch Erich Möller war ein zuverlässiger Mitstreiter, der dafür sorgte, dass unser Sportmaterial immer im besten Zustand war.

Erfolge, die besonders herauszustellen sind:
1976 Bezirksspartakiade 21 x Gold 12 x Silber 11 x Bronze
In den folgenden Jahren ähnliche Ergebnisse im Bezirk.
1977 DDR-Meisterschaft 1 x Gold 3 x Silber 4 x Bronze
DDR-Spartakiade 1 x Gold 2 x Silber 2 x Bronze1978
DDR-Meisterschaft 2 x Gold 1 x Silber 1 x 4. Platz
1979 DDR-Meisterschaft 4 x Gold 2 x Silber 1 x Bronze
Die erfolgreichsten Sportler dieser Jahre waren:
Thomas Grabosch, Andreas Bethke, Andrea Genthner, Andreas Schubert, Britt Fanter, Volkmar Passoth, Axel Goldbecher.

Herausheben möchte ich die Erfolge von Axel Goldbecher. Er wurde 1981 und 1983 Junioreneuropameister im K 4, und 1984 Mitglied der Olympiamannschaft der DDR im Kanurennsport.

Alle genannten Sportler und viele nicht genannte haben beim SC Empor Rostock und anderen Clubs ihre sportliche Entwicklung fortgesetzt.

Mit der Entwicklung des Rennsports in den 50er Jahren ist aber der Wandersport nicht in den Hintergrund getreten. Auch in diesem Bereich unserer Sektion hat man die Zeichen der Zeit immer richtig erkannt und hat sich den Entwicklungen gestellt. Die ersten Rennsportler, die eingangs erwähnt wurden, kamen aus den Reihen der Wandersportler. Sie gehörten mit zu denen, die auf den heimischen Gewässern die ersten Wanderfahrten unternahmen. War es anfangs nur der Strelasund, so wurden in der Folgezeit alle Boddengewässer, Rund Hiddensee und Rund Rügen befahren. Selbst die neuen Grenzgesetze für unsere Region konnten die Entwicklung des Wandersports nicht aufhalten.

Ein Beweis dafür ist, dass im Sommer 1952 fast an jedem Wochenende Sektionswanderfahrten durchgeführt wurden. Es wurden in diesem Jahr 22.212 km gepaddelt. Auch die Wanderfahrer wurden vom Wettkampfehrgeiz gepackt, und maßen ihre Kräfte mit Sportlern anderer Sektionen auf Faltbootregatten und im Faltbootsegeln. Mit dem Bestreben, immer neue Gewässer kennen zu lernen, befuhren die Sportler mit ihren Booten bald alle Wasserwandergebiete der DDR. Auf den Mecklenburger Seen, den Berliner und Potsdamer Gewässern, auf der Nebel, Saale, Unstrut usw. wurden erlebnisreiche Urlaubsfahrten absolviert.

Der Wintersport war ab 1961 fester Bestandteil in unserer Jahresplanung. Im Thüringer Wald, im Erzgebirge und im Riesengebirge bei unseren Tschechischen Sportfreunden haben wir über fast 30 Jahre manche tiefe Spur durch den Schnee gezogen. Seit 1962 ist die Sektion im Besitz des Zeltplatzes auf Drigge. Er ist bis heute Ziel für Wochenendfahrten, Erlebnis- und Ausbildungsplatz für unsere Kinder und Jugendlichen. Jährlich durchgeführte Sportfeste, Kinderfeste sowie Sonnenwendfeiern auf dem Zeltplatz haben das Zusammenleben unserer Sportler gefördert.

Bis 1966 hat sich Sportfreund Waldemar Passoth als Wanderwart um die Entwicklung des Wandersports verdient gemacht. Danach übernahm Sportfreund Alfred Steinfurth dieses Amt und führte den Wandersport zu weiterem Aufschwung. Eine neue Phase in der Kanutouristik leiteten die jährlich durchgeführten Urlaubsfahrten auf ausländischen Gewässern ein. Besondere Höhepunkte in all den Jahren waren die Fahrten auf dem Dunajec in der polnischen Tatra, auf der mittleren Moldau und auf der Donau.

Seit 1968 wurde auch in der Kanutouristik der Kinder- und Jugendsport verstärkt entwickelt. Die Sportfreundin Marianne Hammer, die Sportfreunde Werner Holz, Martin Vogt und Eduard Neumann haben erfolgreich eine stabile Kinder- und Jugendabteilung in der Kanutouristik aufgebaut und geleitet. Übungsstunden im Winter und Sommer, Vorbereitungstraining für den Touristischen Mehrkampf, Wochenendfahrten und jährliche Urlaubsfahrten im In- und Ausland waren feste Bestandteile des Jahresprogramms.

Lohn ihrer Arbeit mit den jungen Sportlern waren zwei erste Plätze beim Touristischen Mehrkampf 1974 durch Burkhard Steinfurth im F 1 sowie Vogt / Pundt im F 2. In der Mannschaftswertung wurde der 1. Platz belegt. Für die gute Arbeit in der Kanutouristik wurde die Sektion 1982, 1983 und 1984 als beste Sektion des DKSV ausgezeichnet. Sportfreundin Marianne Hammer erhielt 1989 als Auszeichnung das "Goldene Paddel" des DKSV.

Seit 1990 hat sich in allen Bereichen vieles verändert. Vielfältige Angebote in der Freizeitgestaltung haben bei unseren Bürgern die bisherigen Interessen beeinflusst. Das hat sich besonders in den ersten Jahren nach der Wende auf unser Vereinsleben ausgewirkt. Nach jahrelangen Bemühungen wurde zu Beginn des Jahres 1999 das Bootshaus an beide Wassersportvereine, dem Stralsunder Kanu Club und dem Stralsunder-Ruder-Club übergeben.

Auch für die Zukunft wird der Verein seinen Schwerpunkt auf die Kinder- und Jugendarbeit in den Sparten Renn-, Drachenboot- und Wandersport, als vorrangige Aufgabe setzen.

Stralsund, Juli 1999